Makro-Objektiv in der Fotografie

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Als Makro-Objektiv bezeichnet man ein spezielles Wechselobjektiv, das auch mit einem besonders geringen Objektabstand eingesetzt werden kann und es dadurch ermöglicht, einen großen Abbildungsmaßstab zu erzielen wie beispielsweise 1:2 (Abbildung auf dem Film bzw. dem Vollformat-Sensor ist halb so groß wie das Objekt selber) oder 1:1 (Objekt wird in Originalgröße auf dem Film/Vollformat-Sensor abgebildet).

Häufig versäumen es die Hersteller von Wechselobjektiven, den mit einem Objektiv erzielbaren Abbildungsmaßstab anzugeben; stattdessen wird nur der kürzestmögliche Objektabstand angegeben. Diese Angabe lässt jedoch keinen direkten Rückschluss auf den effektiv erzielbaren Abbildungsmaßstab zu; mit Testaufnahmen lässt sich der effektive Abbildungsmaßstab jedoch bestimmen.

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Ein Objektiv wird ab einem Abbildungsmaßstab von etwa 1:4 als makrofähig bezeichnet. Normale Objektive erzielen maximale Abbildungsmaßstäbe im Bereich von 1:7 bis 1:9, unabhängig davon, ob es sich um eine Festbrennweite oder ein Zoomobjektiv handelt.

Spezielle Makro-Objektive

Fotoobjektive sind für die Abbildung unendlich weit entfernter Objekte konstruiert. Zur Abbildung von Objekten in endlicher Entfernung wird nur das Objektiv von der Bildebene entfernt. Die Abbildungsleistung sinkt dabei deutlich, vor allem die bildfeldabhängigen Fehler (Astigmatismus, Verzeichnung, Bildfeldwölbung) nehmen zu, was zu starker Randunschärfe führt. Dies begrenzt den Objektabstand, will man ein brauchbares Ergebnis erhalten. Ein echtes Makro-Objektiv zeichnet sich dadurch aus, dass es für beste Abbildungsleistung bei endlichen Objektabständen konstruiert wurde.

Ein Makroobjektiv hat meist eine kleinere Anfangsöffnung (also höhere Blendenzahl) als ein Normalobjektiv. Dies reduziert die Bildfehler und erhöht die Schärfentiefe, die reziprok mit der Objektentfernung abnimmt.

Die meisten Hersteller bieten Makro-Objektive mit 50 oder 100 mm Brennweite an. Für einen größeren Aufnahmeabstand zwischen Objekt und Objektiv gibt es noch Makro-Objektive mit 180 oder 200 mm Brennweite. Der Abbildungsmaßstab dieser Objektive beträgt meist 1:2 oder 1:1.

Ein Anfang der 1990er Jahre vorgestelltes Spezialobjektiv von Minolta, das Minolta AF Macro Zoom 3x-1x (1:1,7-1:2,8) mit einer fließenden Brennweite von 45mm - 52mm, ermöglicht sogar einen Abbildungsmaßstab von 3:1; es bildet also ein Objekt in natürlicher Größe auf dem Film ab oder vergrößert es maximal um den Faktor 3. Dabei bietet das entfernt an ein Balgengerät erinnernde Gerät mit Double-Floating-Optik volle mechanische und elektronische Kupplung mit der Kamera und unterstützt damit alle Belichtungsfunktionen, vollen Autofokus (sehr unüblich im Makrobereich), als auch eine motorische Verstellung des Abbildungsmaßstabs mit automatischer Fokus- und Blendenkompensation und motorische Rotation des gesamten Kamerasetups um die Objektivachse. Es kann, wie üblich für Objektivköpfe für Balgengeräte, allerdings nur im Nahbereich (wenige Zentimeter vor der Frontlinse) fokussieren. Das Ende der 1990er Jahre erschienene Canon MP-E 2,8/65 ermöglicht sogar einen Abbildungsmaßstab von bis 5:1, bietet aber weder Autofokus noch eine elektronische Kopplung zur Kamera.

Alternativen zum Makro-Objektiv

Die heute fast mit jedem Zoom-Objektiv angebotene Makro-Einstellmöglichkeit ist nur ein unzulänglicher Kompromiss. Meist wird eine Linsengruppe innerhalb des Objektivs verschoben, um die Fehler bei objektnaher Abbildung zu reduzieren. Eine gleichzeitige Korrektur der Bildfehler für mehrere Brennweiten und verschiedene Objektabstände ist allerdings nur schwer zu erreichen, wodurch die Makro-Abbildungsschärfe eines Zoomobjektivs in der Praxis erheblich unter dem optischen Potential eines Festbrennweiten-Makro-Objektivs liegt.

Statt eines kostspieligen Makro-Objektivs kann man auch eine Nahlinse verwenden. Auch dabei sind jedoch Abstriche in der Bildqualität in Kauf zu nehmen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Abstand des Objektivs von der Bildebene durch ein Balgengerät oder Zwischenringe zu erhöhen. Bei einem Abbildungsmaßstab größer als 1:1 sollte das Objektiv dabei in der so genannten Retrostellung eingesetzt werden. Die Bildqualität ist dann meistens gut, es wird jedoch ein Umkehrring benötigt, um das Objektiv mit dem Filtergewinde an der Kamera zu befestigen.

Generell empfiehlt es sich bei diesen Alternativen, das Objektiv um eine bis zwei Blendenstufen abzublenden, um die Bildfehler im Rahmen zu halten.

Für den hoch ambitionierten Fotografen, der sich in die Welt der kleinen Dinge begibt, ist ein eigenes Festbrennweiten-Makro-Objektiv unverzichtbar. Dessen auf den Nahbereich optimierte Schärfeleistung ohne Einbuße in der Lichtstärke ist von anderen Objektivbauarten unerreicht.