HAP Grieshaber

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HAP Grieshaber (geboren 1909 in Rot an der Rot; gestorben 12. Mai 1981 in Eningen) eigentlicher Name: Helmut Andreas Paul Grieshaber. Er war ein bekannter deutscher Maler und Grafiker. Sein bevorzugtes Medium war der großformatige, abstrahierende Holzschnitt.

Der in Rot an der Rot geborene Grieshaber verbrachte seine Schulzeit von 1915-1926 zuerst in Nagold und später in Reutlingen, wo er 1926-1927 auch eine Schriftsetzerlehre absolvierte. Nach abgelegtem Examen an der Kunstgewerbeschule betrieb HAP Grieshaber zunächst mit seinem Studienfreund und Lithographen Erich Mönch das graphische Atelier "Igel". Zwischen 1926-1928 studierte er Kalligraphie in Stuttgart und setzte seine Studien von 1928 bis 1931 in London und Paris fort.

1947 kehrte er in den Reutlinger Raum zurück, wo er ab dieser Zeit an der Ostflanke der Achalm bei Eningen, einer unmittelbaren Nachbargemeinde Reutlingens, lebte und arbeitete. 1950 wirkte er an der Neugründung des Deutschen Künstlerbundes mit. Zwischen 1951-1953 arbeitete er als Lehrer an der Bernsteinschule bei Sulz am Neckar und wurde 1955 Nachfolger Erich Heckels an der Kunstakademie Karlsruhe, wo er bis 1960 lehrte.

In den folgenden Jahren erhielt Grieshaber verschiedene Preise und Auszeichnungen; so 1957 den Oberschwäbischen Kunstpreis, 1961 den Kunstpreis der Stadt Darmstadt, 1962 den Corneliuspreis der Stadt Düsseldorf, 1968 den Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes, 1971 den Dürer-Preis der Stadt Nürnberg und 1978 den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig. Gemeinsam mit Rolf Szymanski begründet er den Jerg-Ratgeb-Preis, der 1977 als erstem dem Bildhauer Rudolf Hoflehner verliehen wurde.

Zu seinem 70. Geburtstag 1979 wurden große Retrospektiven in vielen Museen in beiden Teilen Deutschlands gezeigt. Letztmalig wurde Grieshaber 1980 mit dem Kunstpreis der Stadt Konstanz ausgezeichnet. 1981 starb Grieshaber im Alter von 72 Jahren in Eningen unter Achalm.


HAP Grieshaber erneuerte nach dem Zweiten Weltkrieg den Holzschnitt und entwickelte ihn zum eigenständigen, monumentalen Wandbild.

Während der Herrschaft des Nationalsozialismus konnte der in Reutlingen lebende Künstler nur im Verborgenen künstlerisch arbeiten, da er als Gegner der Diktatur faktisch Ausstellungs- und Berufsverbot hatte. Dennoch entstand bereits in dieser Zeit ein beachtliches Holzschnittwerk. Landschaften der Schwäbischen Alb, Tiere, religiöse und mythologische Themen werden immer wieder im zeitgenössischen und politischen Kontext, aber auch davon losgelöst variiert. Während die frühen Arbeiten zunächst stark vom mittelalterlichen Linienholzschnitt ausgingen, gelang Grieshaber seit den späten 1930er Jahren eine überzeugende Synthese des Linienschnittes mit dem Flächenholzschnitt.

Anfang der 1950er Jahre entstanden während seiner Tätigkeit an der Bernsteinschule die ersten lebensgroßen Holzschnitte, die er später zu teilweise mehrteiligen Zyklen erweiterte. Den Weg zur Monumentalisierung des Holzschnitts führte er mit der documenta-Wand für die documenta III 1964 in Kassel und in vielen Großbildern für öffentliche Bauten fort. (Er war auch Teilnehmer der documenta 1 (1955) und der documenta II im Jahr 1959 in Kassel.) Zu seinen größten Arbeiten zählt der 1965 für den Neubau des Rathauses von Reutlingen entstandene Sturmbock, ein zum Holzstock verarbeiteter Baumstamm von 12 Meter Länge, der im Foyer des Rathauses ausgestellt ist.

Seine Themen spannen sich dabei von der Flora und Fauna der Schwäbischen Alb über Liebespaare, religiöse und mythologische Darstellungen bis hin zu politischen, sozialen und ökologischen Fragen. Im Zentrum seines Werks stand dabei stets der Mensch und die Menschenwürde, wofür er sich engagierte, wann immer es ihm nötig erschien.

Neben der Staatsgalerie Stuttgart verfügt das Städtische Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen über einen der umfangreichsten Bestände an Arbeiten Grieshabers, darunter zahlreiche Unikate und Künstlerexemplare.

Helmut Andreas Paul Grieshaber wird am 15. Februar 1909 im oberschwäbischen Rot an der Rot geboren. Von 1915 bis 1926 absolviert er seine Schulzeit in Nagold und Reutlingen. Danach beginnt der Künstler eine Lehre als Buchdrucker und Schriftsetzer. An der Staatlichen Buchgewerbeschule in Stuttgart nimmt Grieshaber gleichzeitig das Studium der Kalligraphie auf. Der Künstler verbringt die Jahre von 1931 bis 1933 im Auslan. HAP Grieshaber ist während eines sechsmonatigen Aufenthaltes in London als Illustrator und Buchgrafiker, u.a. für die Zeitschrift "Vogue", tätig. 1932 reist der Künstler über Paris weiter nach Ägypten und Griechenland, wo er jeweils in verschiedenen Städten Ausstellungen der eigenen Arbeiten organisieren kann. Die kulturpolitische Zeitschrift "Deutsche Zeitung" gibt Grieshaber in Athen heraus. Diese Aktivitäten führen im April 1933 zu Bedrohungen durch den deutschen Gesandten. Grieshaber wird zur Rückreise nach Deutschland gezwungen.

Mit der Holzschnitttechnik setzt sich der Künstler ab 1932 intensiv auseinander. Diese Technik wird für ihn früh zum wichtigsten künstlerischen Medium. Den für Grieshaber so typischen grafischen Stil, der stark von der mittelalterlichen Holzschnitttechnik beeinflußt ist, entwickelt er in den sogenannten "Reutlinger Drucken". Grieshaber, der 1933 Mal- und Ausstellungsverbot erhält, kann seine Arbeiten nur in getarnten Ausstellungen zeigen. So lautet der offizielle Ausstellungstitel in der Stuttgarter Galerie Valentien "arabische Volksbücher - griechische Volksmalerei". Als Hilfsarbeiter und Zeitungsausträger verdient der Künstler in dieser Zeit seinen Unterhalt. Grieshaber wird 1940 Soldat, 1945 gerät er in belgische Kriegsgefangenschaft. Seit 1947, dem Jahr seiner Rückkehr nach Deutschland, lebt der Künstler auf der Achalm bei Reutlingen.

Als Lehrer an die Bernsteinschule bei Sulz am Neckar wird HAP Grieshaber 1951 berufen. 1955 folgen weitere Lehraufträge an der Akademie in Karlsruhe als Nachfolger Erich Heckels und 1956 an der Akademie der Künste in Berlin. Aus Protest gegen die Prüfungsordnung tritt Grieshaber 1960 von seinem Lehramt in Karlsruhe zurück. Zusammen mit Walter Warnach und Heinrich Böll arbeitet der Künstler ab 1960 zwei Jahre lang an der Zeitschrift "Labyrinth", 1964 wird er zum Gründer und Mitherausgeber der Zeitschrift "Engel der Geschichte", die zu aktuellen gesellschaftlichen Themen Stellung nimmt. Der Künstler schafft Arbeiten für den öffentlichen Raum wie Holzreliefs, Mosaiken, Wandmalereien und Glasfenster. Grieshaber wird durch zahlreiche Preise und Retrospektiven gewürdigt. 1959 und 1964 nimmt er an der documenta teil. Zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Künste in Berlin/Ost wird Grieshaber 1978 gewählt. HAP Grieshaber stirbt am 12. Mai 1981. Der "Freundeskreis HAP Grieshaber e.V." wird 1987 gegründet.