Gustav Klimt

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Gustav Klimt war zu Lebzeiten einer der umstrittensten, aber auch beliebtesten Künstler der Jahrhundertwende. Von der Wiener Gesellschaft wurde er wegen der erotischen Ausstrahlung seiner weiblichen Porträts gesucht. Er ist zweifellos der bedeutendste Künstler des Jugendstils in Österreich, nimmt aber auch im internationalen Maßstab eine Spitzenstellung ein. Dennoch wurde besonders in der deutschsprachigen Kunstkritik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Klimts Werk teilweise völlig ignoriert, teils als reine Dekorationsmalerei abgetan. Erst später wurde seine statische Flächenhaftigkeit als richtungsweisend für die Entwicklung der modernen Malerei erkannt (Kubismus, abstrakte Malerei). Die Goldhintergründe auf Klimts Bildern erinnern an den japanischen Maler des 17. Jahrhunderts Ogata Korin. Die auffällige Verdichtung und flächige Wirkung zahlreicher Landschaftsbilder erreichte Klimt dadurch, dass er sich mittels Fernrohr ausgewählte entfernte Landschaftsausschnitte nah heranholte. Heute zählen Klimts Bilder zu den teuersten der Welt und erfreuen sich großer Popularität weltweit.

Biografie Gustav Klimt


1862
14. Juli: Gustav Klimt wird in Baumgarten bei Wien als Sohn des Ziseleurs Ernst Klimt und dessen Frau Anna (geb. Finster) geboren.

1876-1883
Ein Stipendium ermöglicht ihm das Studium an der Kunstgewerbeschule in Wien.

1877
Sein Bruder Ernst Klimt (1864-1892) tritt in dieselbe Schule ein.

1880-1883
Gustav und Ernst Klimt erhalten zusammen mit ihrem Kommilitonen Franz Matsch (1861-1942) die ersten Aufträge für Decken- und Theaterdekorationen in Wien, Karlsbad und Reichenberg.

1883
Die beiden Brüder und Matsch beziehen ihr erstes gemeinsames Atelier in Wien.

1885
Neben Arbeiten für das Nationaltheater in Bukarest übernimmt die Ateliergemeinschaft die Deckengestaltung in der Hermesvilla der Kaiserin Elisabeth (1837-1898).

1886
Während der Arbeiten am Wiener Burgtheater steht für Gustav Klimt die Auseinandersetzung mit der Monumentalmalerei im Vordergrund.

1888
Nach Abschluß der Arbeiten am Burgtheater verleiht Kaiser Franz-Joseph I. den Brüdern Klimt und Franz Matsch das goldene Verdienstkreuz für Kunst.

1889
Gustav Klimt reist durch Europa. Er besucht Triest, Venedig und München.

1890-1900
Auf der Suche nach einem eigenen Stil entfernt er sich von der traditionellen Malweise der Akademien.

1891
Klimt wird Mitglied der "Genossenschaft bildender Künstler Wiens" und steht damit zwischen neuerungsfeindlicher Tradition und fortschrittlicher moderner Kunst.
Er begegnet Emilie Flöge. Sie wird seine Lebensgefährtin in einer platonischen Beziehung. Zahlreiche uneheliche Kinder bezeugen aber Beziehungen zwischen dem Maler und seinen Modellen.

1892
9. Dezember: Sein Bruder stirbt.
Um seinen eigenen Stil zu finden, beendet Klimt die Arbeitsgemeinschaft mit Matsch.

1894
Das Unterrichtsministerium erteilt dennoch beiden Künstlern den Auftrag, Entwürfe für die Deckendekoration der "Aula Magna" der Universität Wien auszuführen.

1896
Bei den Arbeiten konzentriert sich Klimt auf drei monumentale Deckenbilder mit der allegorischen Darstellung der drei Fakultäten "Jurisprudenz", "Philosophie" und "Medizin".

1897
Klimt ist Mitbegründer und erster Präsident der Wiener "Secession". Die neue Künstlervereinigung fordert die Freiheit für Kunst und Künstler von staatlicher Einmischung. Publizistisches Organ der "Secession" ist die Zeitschrift "Ver Sacrum".

1898-1900
Intensive Arbeit in der "Secession". In dieser Zeit entwickelt Klimt eine fast expressionistische, flächig-ornamentale Darstellungsform, die an Mosaiken erinnert.

1900
Auf der Pariser Weltausstellung erhält die "Philosophie" die Goldmedaille.

1901
Das Professorenkollegium der Wiener Universität lehnt die Fakultätsbilder als häßlich, pornographisch und dem geforderten Programm nicht entsprechend ab.

1902
Anläßlich der Ausstellung von Max Klingers "Beethovenstatue" schafft Klimt seinen "Beethovenfries", der in der Presse polemisch diskutiert wird.
7. Juni: Klimt lernt Auguste Rodin kennen, der den "Beethovenfries" bewundert.

1903
Reise nach Ravenna, Venedig und Florenz.
Das Unterrichtsministerium erwägt die spätere Überführung der Fakultätsbilder in die "Moderne Staatsgalerie".

1904-1910
Für das Privatpalais eines belgischen Industriellen erarbeitet Klimt Werkvorlagen für einen Wandfries, der nach dem Auftraggeber Stoclet benannt wird.

1905
Unterschiedliche Meinungen zwischen Naturalisten und Stilisten über die Zukunft der "Secession" führen innerhalb der Vereinigung zur Spaltung. Klimt tritt daraufhin mit anderen Künstlern aus der Vereinigung aus.
Als sich die Debatten über den künstlerischen Stil der Fakultätsbilder zum öffentlichen Streit ausweiten, verweigert Klimt die Auslieferung seiner Werke an das Unterrichtsministerium und erstattet das bereits gezahlte Honorar zurück.

1906
Mit dem Bildnis "Fritza Riedler" entsteht das erste Porträt seiner "goldenen Periode", die ihren Höhepunkt im Bild "Der Kuß" findet. Der Stil erinnert an frühchristliche Mosaiken und Ikonen, die Klimt in Italien gesehen hat.
Die zahlreichen erotischen Frauendarstellungen in dieser Zeit verweisen auf die Verehrung und den Einfluß des weiblichen Geschlechts auf seine Kunst.

1907
Erstes Zusammentreffen mit dem Expressionisten Egon Schiele, der von Klimts Werken nachhaltig beeinflußt wird.

1908/09
Klimt organisiert zweimal die "Kunstschau". Die Ausstellungen, auf denen er mit eigenen Bildern beteiligt ist, bieten ein Forum für moderne Wiener Kunst.

1911
Auf der Internationalen Kunstausstellung in Rom erhält er den ersten Preis für sein Gemälde "Tod und Leben". Neben zahlreichen Ehrungen empfängt seine Kunst, die im Einklang mit der Musik Gustav Mahlers und den Thesen Sigmund Freuds stehen, auch viel Kritik.

1916
Mit Schiele, Oskar Kokoschka und Anton Faistauer (1887-1930) nimmt Klimt an der Ausstellung des "Bundes Österreichischer Künstler" in der Berliner Secession teil.

1917
Klimt wird zum Ehrenmitglied der Akademien der Bildenden Künste in Wien und München ernannt.

1918
6. Februar: An den Folgen eines Schlaganfalls stirbt Gustav Klimt in Wien.